Gefährliche Zeugen

„Als Zeuge müssen Sie die Wahrheit sagen…“,

ein Satz der jeder, der einmal vor Gericht als Zeuge aussagen musste, gehört hat. Doch was ist die Wahrheit?

Bei einem Verkehrsunfall gibt es oftmals so genannte „Knallzeugen“. Die haben einen lauten Knall gehört und dann das Resultat des Unfalls gesehen. Die Wahrheit, welche der Zeuge dann kennt, ist lediglich: Zwei Pkw’s sind kollidiert. Wer schuld ist oder wer wem drauf gefahren ist, hat der Zeuge nicht beobachtet. Wie auch? Hierüber kann er normalerweise keine Aussage treffen. Dennoch fangen Knallzeugen an die Wahrnehmung mit Schlussfolgerungen zu vermischen. Es folgen Aussagen wie: „Der rote Pkw ist dem schwarzen reingefahren. Es muss so sein, weil das anders nicht möglich ist.“ Ah ja, alles klar.

Ein Zeuge soll vor Gericht aussagen, was er zur Tatzeit beobachtet, gehört oder bzw. und gesehen hat. Aber auch bei den Wahrnehmungen überschreiten die Zeugen Ihre eigenen persönlichen Grenzen, ohne es zu merken oder zu wollen.

In einem kürzlich verhandelten Fall vor dem AG Leipzig sagte ein Zeuge mit völliger Überzeugung aus:

„Die haben dem Schwarzen ordentlich eine gegeben.“

Auf Nachfrage, ob er das denn gesehen hat, meinte er nur:

„Nein, das habe ich gehört.“

Ich fragte Ihn, was er denn gehört habe. Darauf der Zeuge:

„Na der Schwarze hat geschrien und dann müssen die zwei Männer ihn geschlagen haben.“

Das Interessante hieran ist, dass man laut dem Zeugen tatsächlich an einem Schrei hören kann, welche Hautfarbe ein Mensch hat. Ob das so möglich ist, bezweifele ich ernsthaft. Das Gericht und die StA sahen es genauso. Es folgte selbstverständlich ein Freispruch aus Mangel an Beweisen.

Ein Zeuge kann insbesondere bei Strafverfahren sehr wichtig sein. Aber ein Sachverständigengutachten oder mögliche Kausalzusammenhänge sind von ihm nicht gefordert, auch keine gesonderten Ermittlungen. Er muss lediglich eine klare, wahre Aussage treffen zu seinen eigenen Wahrnehmungen. Einigen Menschen ist nicht bewusst, wieviel Macht sie haben, indem Sie über Ihre Wahrnehmung hinaus Aussagen treffen. Solche Fälle führen oftmals zu Justizirrtümern und falschen Verurteilungen.

Deswegen ist die Arbeit von uns Strafverteidigern so wichtig. Durch gezielte und geschickte Zeugenbefragung  können wir der Wahrheit auf den Grund gehen, die wichtigen Informationen filtern und so die Zeugen auf den richtigen Weg der wahrheitsgetreuen Aussage bringen. Denn eines darf man als Zeuge nie vergessen.

„Wer vor Gericht oder vor einer anderen zur eidlichen Vernehmung von Zeugen oder Sachverständigen zuständigen Stelle als Zeuge oder Sachverständiger uneidlich falsch aussagt, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.“ § 153 StGB

Bild Kugelschreiber recht-deutlich.org

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