Magdeburg das Justizzentrum

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oder auch

Das Imperium 

Als in Leipzig ansässige Anwältin freut man sich, wenn man mal in anderen Bundesländern prozessieren und verhandeln darf. Ich hatte kürzlich das Vergnügen, vor dem AG Magdeburg einen Güterichtertermin wahrnehmen zu dürfen.

Es begann damit, dass das AG Magdeburg als solches nicht am Gebäude ausgeschrieben war, wie man es gewohnt ist. Stattdessen steht an der angegeben Anschrift ein imposantes Gebäude mit dem Titel „Justizzentrum“. Nun ja, rein in das Gebäude und mal schauen. Am Eingang dachte ich sodann:

„Was für ein Empfangskomitee“

Ich stand in einer Reihe mit 10 weiteren Leuten und wartete brav darauf, einzeln in einen Vorraum zu dürfen, wo man von netten Polizeibeamten auf Waffen durchsucht wird. Als Anwalt mit Ausweis kann man an diesen Kontrollen ohne weiteres vorbei huschen. Normalerweise! Aber dort gibt es nur einen verschlossenen extra Eingang für Mitarbeiter und eben den einen Eingang für den Rest.

Ich hätte vielleicht rufen können:

Vorsicht Anwalt im Dienst! Notfall ich muss durch…!

Aber das habe ich mir verkniffen.

An den Kontrollen vorbei, irrte ich in dem Labyrinth des Gebäudes umher, um dann doch endlich den Saal zu finden. Mein Mandant wartete dort schon auf mich. Auf der Anzeige des Saals prangerten seit 9 Uhr im halbstunden Takt terminiert zig Termine. Unser Termin mittendrin ebenfalls mit 30 Minuten angesetzt und als öffentlich markiert und parallel zu drei weiteren Terminen?!

Kleiner Exkurs:

Ein Güterichtertermin oder Mediationsverfahren geschieht grundsätzlich mit Ausschluss der Öffentlichkeit. Man erhält vor diesem Termin ein Info Blatt, dass man 2-3 Stunden einplanen soll, da in angenehmer Atmosphäre versucht werden soll eine gütlich Einigung zu erzielen.

Pünktlich zum Termin saßen wir immer noch vor dem Saal, als eine völlig andere Sache aufgerufen wurde. Jetzt wird der Mandant schon leicht nervös…und man selbst auch. Bin ich hier richtig? Richtiger Tag? Blick auf die Anzeige: alles gut, da steht unser Termin.

Einige Zeit später: 2. Blick auf die Anzeige… ernsthaft? Der Aufruf galt dem Termin von 9:45!

Fast 1,5 Stunden später – 5 vor 12 – rief der Richter dann endlich unsere Sache sowie die 3 weiteren Verfahren zeitgleich in den Saal. Prima! Mediation am Fließband. Hatte ich noch nicht.

Als wir dann endlich am Verhandlungstisch saßen, waren noch zwei Personen im Zuschauerraum. Diese wurden angewiesen den Saal zu verlassen und 12:30 zum nächsten Termin wieder zu kommen – Kopf schütteln. Wir bekommen eine satte halbe Stunde vom Richter für einen Vergleich??? Super. Das ist richtig viel und erfolgsversprechend. In diesem Moment wurde klar, was der Hinweis auf der Ladung sollte:

Man soll 2-3 Stunden einplanen, weil man so lange warten muss – nicht weil man so lange verhandelt! Das erklären Sie mal Ihrem Mandanten, der ebenfalls eine längere Anreise hinter sich hat.

Wider aller Erwartungen haben wir tatsächlich einen Vergleich geschlossen mit etlichen Hürden und Verwunderung über die Justiz anderer Städte.

Ein kleiner Trost war dann das unverhoffte Begegnen eines Kollegen, der häufiger in Magdeburg verhandelt. So groß und unübersichtlich das Justizzentrum ist, so klein ist die Welt.

Bild Bleistift recht-deutlich.org

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