Seltener als ein Yeti in der Sauna

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… ist ein Staatsanwalt auf der Anklagebank, wage ich zu behaupten. Und als ob das nicht Sensation genug wäre, hatte es das Amtsgericht Frankfurt am Main jetzt mit einem ganz besonderen Prachtexemplar zu tun, wie die LTO heute berichtet:

Das Amtsgericht (AG) Frankfurt hat einen Staatsanwalt wegen Beleidigung, Körperverletzung, Missbrauch des Notrufs und „Amtsmissbrauch“ (Nötigung unter Missbrauch seiner Stellung als Amtsträger gemäß § 240 Abs. 4 Nr. 3 Strafgesetzbuch) zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt (Urt. v. 12.09.2016, Az. 4460 Js 14207/15). Zusätzlich muss er 8.000 Euro an eine Polizeistiftung zahlen. Der 38-Jährige ist seit knapp einem Jahr vom Dienst bei der Staatsanwaltschaft in Gießen suspendiert.

Die vier Tatbestände erfüllte der Mann nach Ansicht des Gerichts durch drei Tathandlungen. So schlug er als Beifahrer im Rahmen einer Verkehrskontrolle einen Polizisten und beleidigte diesen. Außerdem sandte er der Ex-Frau eines Bekannten ein Schreiben mit dem Briefkopf seiner Behörde und verlangte ohne dienstliche Veranlassung die Herausgabe diverser Gegenstände, unter anderem ging es um eine Skiausrüstung. Auch bei einem Streit mit Türstehern vor einem Club nutzte er seine Position und rief die Polizei – ohne Not, wie das Gericht befand.

Hm, das klingt einzeln betrachtet für uns Strafrechtler nicht sonderlich dramatisch und – bei Otto Normal als Angeklagtem – noch nicht einmal lokalpressewürdig. Aber bei einem 38-jährigen Staatsanwalt, der irgendwann mal in den höheren Justizdienst eingestellt wurde, um einen nicht ganz verantwortungsarmen Job zu machen, fragt man sich schon, was da schiefgelaufen ist.

Ein weiterer Artikel zum Verfahren lässt vermuten, dass wir es beim seitenwechselnden Staatsanwalt auch nicht gerade mit einem kriminellen Wunderkind, sondern eher mit einem ganz gewöhnlichen Wichtigtuer zu tun haben:

Der angeklagte 38-Jährige hatte sich nach einer Feier betrunken von einer Ex-Freundin abholen lassen, wegen eines defekten Lichts hielt die Polizei den Wagen an. Später soll der Staatsanwalt – der als Beifahrer im Wagen saß – einem Beamten mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.

Weil…?

Der Staatsanwalt will eine Hand auf der Schulter gefühlt und nach hinten geschlagen haben, gab aber auch zu, sich betrunken wie nie gefühlt zu haben

Ein Blutalkoholtest ergab damals einen Wert von mehr als zwei Promille.

… ach so, deswegen. Der Klassiker.

Der Beamte kannte den Staatsanwalt von der Hochschule für Polizei und Verwaltung, hatte einst ein Strafrecht-Seminar bei ihm.

Karma?!

Dienstrechtlich schwer könnte der Vorwurf wiegen, dass der in Sinn im Lahn-Dill-Kreis wohnende Angeklagte im November 2014 ein Schreiben mit einem Briefkopf der Staatsanwaltschaft Gießen, für die er arbeitete, an eine Rechtsanwältin verfasste und schickte. Diese lebte getrennt von ihrem Mann, einem Freund des Angeklagten. In dem Schrieb forderte der 38-Jährige die Frau auf, Sachen ihres Mannes herauszugeben, drohte mit rechtlichen Schritten. Er tat dies, ohne dass der Mann der Frau eine Strafanzeige gestellt hatte.

Quasi eine Nebentätigkeit als Anwalt, süß.

Was mich bei all den amüsanten Artikeln über die Sache wundert: es wird gar kein(e) Verteidiger(in) erwähnt. Der Herr Staatsanwalt sollte doch nun wirklich wissen, dass man sich lieber nicht einfach selbst verteidigt, sondern sich professionelle Hilfe suchen sollte. Wobei Menschen ab einem gewissen Grad an Überheblichkeit durchaus schwierige Patienten sind…

Aber der genug der Häme. Wie allen, die mal auf diesem ganz besonderen Platz am Katzentisch des Rechtsstaats sitzen durften, wünsche ich dem Betroffenen jedenfalls für die Zukunft alles Gute. Schlimmer geht’s immer, aber oft auch bergauf.

 

Bildnachweis: Fotolia_100100999

Bild Kugelschreiber recht-deutlich.org

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