Altersdiskriminierung bei Microsoft

20160921

Wo habe ich mich nur hin verlaufen, dass mir plötzlich so ein Warnhinweis im Webbrowser angezeigt wird? Die Ruinen von studiVZ? Die letzte Ruhestätte des Lycos-Hundes? (Hört hier noch jemand irgendwo ein Modem piepen?)

Nein – die Seminarseite der Rechtsanwaltskammer Sachsen wird hier von MS Edge als betagt gehänselt.

Aber was soll man sagen: es lohnt sich, dafür noch mal den guten alten Internet Explorer zu satteln. Die Fülle der aktuell angebotenen Das-beA-kommt-mit-200%iger-Sicherheit-vielleicht-schon-bald-Seminare lässt doch zumindest für die Zukunft nur Gutes hoffen! 🙂

Seltener als ein Yeti in der Sauna

Bitte was?

… ist ein Staatsanwalt auf der Anklagebank, wage ich zu behaupten. Und als ob das nicht Sensation genug wäre, hatte es das Amtsgericht Frankfurt am Main jetzt mit einem ganz besonderen Prachtexemplar zu tun, wie die LTO heute berichtet:

Das Amtsgericht (AG) Frankfurt hat einen Staatsanwalt wegen Beleidigung, Körperverletzung, Missbrauch des Notrufs und „Amtsmissbrauch“ (Nötigung unter Missbrauch seiner Stellung als Amtsträger gemäß § 240 Abs. 4 Nr. 3 Strafgesetzbuch) zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt (Urt. v. 12.09.2016, Az. 4460 Js 14207/15). Zusätzlich muss er 8.000 Euro an eine Polizeistiftung zahlen. Der 38-Jährige ist seit knapp einem Jahr vom Dienst bei der Staatsanwaltschaft in Gießen suspendiert.

Die vier Tatbestände erfüllte der Mann nach Ansicht des Gerichts durch drei Tathandlungen. So schlug er als Beifahrer im Rahmen einer Verkehrskontrolle einen Polizisten und beleidigte diesen. Außerdem sandte er der Ex-Frau eines Bekannten ein Schreiben mit dem Briefkopf seiner Behörde und verlangte ohne dienstliche Veranlassung die Herausgabe diverser Gegenstände, unter anderem ging es um eine Skiausrüstung. Auch bei einem Streit mit Türstehern vor einem Club nutzte er seine Position und rief die Polizei – ohne Not, wie das Gericht befand.

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Bedeutet Berufserfahrung gleich mehr Kompetenz?

Young businessman hiding head in the sand

Erfahrung kommt mit der Zeit. Aber wächst damit auch die Kompetenz?

Unter den alt-eingesessenen Kollegen zähle ich noch als „Frischling“. Wenn die Richter oder Richterinnen den Namen des Anwalts noch nicht kennen und man dann als junge Frau in den Saal tritt, erntet man oft ein Schmunzeln oder wird nicht wirklich Ernst genommen, vor allem von der Gegenseite. Doch sind Kollegen mit mehrjähriger Berufserfahrung, Fachanwaltstiteln und ähnlichem wirklich kompetenter?

Ich hatte letztens eine klassische Räumungsklage durchzusetzen. Nachdem das Versäumnisurteil erging,  gab es mit den zuständigen Behörden die Absprache, die Räumung vorerst nicht zu vollstrecken bis die betroffene Person einen Platz im betreuten Wohnen erhält. Die Beteiligten waren sich einig, dass man keine unnötigen Prozesskosten verursacht und eine Räumung friedlich ablaufen wird.

Ein berufserfahrener Kollege jedoch war der Meinung, er müsse sich ganz besonders für die Rechte seines Mandaten einsetzen. Einen Tag vor der Gerichtsverhandlung rief mich der Anwalt der Gegenseite an und drohte regelrecht, dass ich nicht gewinnen werden und meine Klage keine Aussicht auf Erfolg habe.

In der Verhandlung behauptet er unter anderem, sein Mandant, der Beklagte, sei geschäftsunfähig und prozessunfähig. Interessant, wenn man bedenkt, dass der Mandant unter dieser Prämisse keine wirksamen Verträge schließen kann. Aber das Mandatsverhältnis konnte er wirksam abschließen?! Auf Nachfrage des Gerichts konnte der Prozessbevollmächtigte nicht wirklich darlegen, wie das Mandat zustande kam. Als das Gericht dann die Geschäftsunfähigkeit feststellen wollte, stellte sich heraus, dass der Beklagte eine Geschäftsunfähigkeit strickt ablehnt und einen sehr fitten Eindruck macht. Das einzige, was der Beklagte nicht wollte, war weiter mit der Sache „belästigt“ zu werden. Sein Anwalt zerrte ihn jedoch in den Gerichtssaal und setzte ihn der unangenehmen Situation aus.  Auch die übrigen Einwendungen des gegnerischen Anwalts waren so abwegig, dass es schon an Fremdschäden angrenzte. Die Verhandlung nahm ihren Lauf und der Kollege schien letztlich völlig planlos. Es handelte sich um eine recht einfach strukturierte Räumungsklage für die man kein Fachanwalt sein muss. Ich habe letztlich meinen Vollstreckungstitel erhalten und die ursprüngliche Abmachung konnte wieder aufleben.

Welche Erfahrung habe ich mit diesem Fall gemacht? – Manchmal verursacht Jahrzehnte an Berufserfahrung auch eine gewisse Berufsblindheit. Berufserfahrung hat also nichts mit Kompetenz zu tun.

 

 

Sorry, liebe Maurer

Welche Berufe machen Menschen glücklich? Maurer und Bergleute haben’s da wohl nicht so gut getroffen, meint die FAZ unter Berufung auf eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Und kommt zu dem überraschenden Ergebnis, dass es uns Rechtsanwälten wohl im allgemeinen gar nicht so schlecht geht, wie man anhand des gängigen Juristengejammers denken könnte, denn: wir sind anscheinend „die glücklichsten Deutschen“.

pug dog sitting on toilet and reading magazine having a break

Auf die Studie an sich will ich gar nicht näher eingehen – der Montag-nachmittags-auf-der-Terrasse-sitzen-Index überzeugt mich vollauf 🙂

Interessant finde ich allerdings, dass gerade das Dasein als selbständiger Anwalt – das Sibirien der Juristenkarriere, wenn man anderen Quellen Glauben schenken will – als besonders erfüllend beschrieben wird:

Der Beruf des Anwalts hat zumindest viele Vorzüge, findet zumindest Rechtsanwalt Jürgen Widder: Anwälte helfen Menschen in schwierigen Lebensphasen, sie haben ein ordentliches Sozialprestige – und sie arbeiten als Kanzleiinhaber ziemlich selbstbestimmt. „Das spiegelt sich nicht nur darin wieder, dass man mal abends arbeitet statt nachmittags um zwei“, findet Widder, sondern: Ein selbständiger Anwalt könne Mandate auch mal ablehnen.

Das sehe ich ähnlich und finde es schön, dass diese Sicht auch mal zur Sprache kommt.

So, jetzt ab auf die Terrasse…

 

Bildnachweis: Fotolia_69835502

Post vom Anwalt

Foto von Briefkasten an Zaun

War das spannend, damals als Kind, wenn man mal einen Brief aus dem Kasten gefischt hat, der tatsächlich für einen selbst, und nicht für die Eltern bestimmt war. Post vom Brieffreund? Geburtstagskarte von Oma, mit 10-Mark-Schein drin?

Dass man erwachsen wird, merkt man dann irgendwann unter anderem daran, dass man einen leeren Briefkasten durchaus zu schätzen weiß. Keine Briefe heißt schließlich: keine Rechnungen.

Aber nicht nur Rechnungen lassen manch einen beim Griff in den Briefkasten zusammenzucken. Auch Post vom Anwalt treibt dem Adressaten gelegentlich Schweißperlen auf die Stirn.

Außerdem darf sich der Empfänger von Anwaltspost häufig der Neugier seiner Mitmenschen sicher sein. Steht ja sicherlich was Wichtiges drin. Oder was kriminelles.

An dieser Stelle möchte ich an das Briefgeheimnis erinnern. Weiterlesen Post vom Anwalt